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Faust - Johann Wolfgang von Goethe - Strona 93

Im Priesterkleid, bekränzt, ein Wundermann,
Der nun vollbringt, was er getrost begann.
Ein Dreifuß steigt mit ihm aus hohler Gruft,
Schon ahn ich aus der Schale Weihrauchduft.
Er rüstet sich, das hohe Werk zu segnen;
Es kann fortan nur Glückliches begegnen.

FAUST
/ großartig. /

In eurem Namen, Mütter, die ihr thront
Im Grenzenlosen, ewig einsam wohnt,
Und doch gesellig. Euer Haupt umschweben
Des Lebens Bilder, regsam, ohne Leben.
Was einmal war, in allem Glanz und Schein,
Es regt sich dort; denn es will ewig sein.
Und ihr verteilt es, allgewaltige Mächte,
Zum Zelt des Tages, zum Gewölb der Nächte.
Die einen faßt des Lebens holder Lauf,
Die andern sucht der kühne Magier auf;
In reicher Spende läßt er, voll Vertrauen,
Was jeder wünscht, das Wunderwürdige schauen.

ASTROLOG

Der glühnde Schlüssel rührt die Schale kaum,
Ein dunstiger Nebel deckt sogleich den Raum;
Er schleicht sich ein, er wogt nach Wolkenart,
Gedehnt, geballt, verschränkt, geteilt, gepaart.
Und nun erkennt ein Geister-Meisterstück!
So wie sie wandeln, machen sie Musik.
Aus luft'gen Tönen quillt ein Weißnichtwie,
Indem sie ziehn, wird alles Melodie.
Der Säulenschaft, auch die Triglyphe klingt,
Ich glaube gar, der ganze Tempel singt.
Das Dunstige senkt sich; aus dem leichten Flor
Ein schöner Jüngling tritt im Takt hervor.
Hier schweigt mein Amt, ich brauch ihn nicht zu nennen,
Wer sollte nicht den holden Paris kennen!

/ Paris hervortrelend. /
DAME
O! welch ein Glanz aufblühender Jugendkraft!
ZWEITE
Wie eine Pfirsche frisch und voller Saft!
DRITTE
Die fein gezognen, süß geschwollnen Lippen!
VIERTE
Du möchtest wohl an solchem Becher nippen?
FÜNFTE
Er ist gar hübsch, wenn auch nicht eben fein.
SECHSTE
Ein bißchen könnt er doch gewandter sein.
RITTER

Den Schäferknecht glaub ich allhier zu spüren,
Vom Prinzen nichts und nichts von Hofmanieren.

ANDRER

Eh nun! halb nackt ist wohl der Junge schön,
Doch müßten wir ihn erst im Harnisch sehn!

DAME
Er setzt sich nieder, weichlich, angenehm.
RITTER
Auf seinem Schoße wär Euch wohl bequem?
ANDRE
Er lehnt den Arm so zierlich übers Haupt.
KÄMMERER
Die Flegelei! Das find ich unerlaubt!
DAME
Ihr Herren wißt an allem was zu mäkeln.
DERSELBE
In Kaisers Gegenwart sich hinzuräkeln!
DAME
Er stellt's nur vor! Er glaubt sich ganz allein.
DERSELBE
Das Schauspiel selbst, hier sollt es höflich sein.
DAME
Sanft hat der Schlaf den Holden übernommen.
DERSELBE
Er schnarcht nun gleich; natürlich ist's, vollkommen!
JUNGE DAME
/ entzückt. /

Zum Weihrauchsdampf was duftet so gemischt,
Das mir das Herz zum innigsten erfrischt?

ÄLTERE

Fürwahr! Es dringt ein Hauch tief ins Gemüte,
Er kommt von ihm!

ÄLTESTE

Es ist des Wachstums Blüte,
Im Jüngling als Ambrosia bereitet
Und atmosphärisch ringsumher verbreitet.

/ Helena hervortretend. /
MEPHISTOPHELES

Das wär sie denn! Vor dieser hätt ich Ruh;
Hübsch ist sie wohl, doch sagt sie mir nicht zu.

ASTROLOG
Źródło tekstu: Wolne Lektury.

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