Ich sehe nichts von diesen Wasserlügen,
Nur Menschenaugen lassen sich betrügen,
Und mich ergetzt der wunderliche Fall.
Sie stürzen fort zu ganzen Haufen,
Die Narren wähnen zu ersaufen,
Indem sie frei auf festem Lande schnaufen
Und lächerlich mit Schwimmgebärden laufen.
Nun ist Verwirrung überall.
Die Raben sind wieder gekommen.
Ich werd euch bei dem hohen Meister loben;
Wollt ihr euch nun als Meister selbst erproben,
So eilet zu der glühnden Schmiede,
Wo das Gezwergvolk, nimmer müde,
Metall und Stein zu Funken schlägt.
Verlangt, weitläufig sie beschwatzend,
Ein Feuer, leuchtend, blinkend, platzend,
Wie man's im hohen Sinne hegt.
Zwar Wetterleuchten in der weiten Ferne,
Blickschnelles Fallen allerhöchster Sterne
Mag jede Sommernacht geschehn;
Doch Wetterleuchten in verworrnen Büschen
Und Sterne, die am feuchten Boden zischen,
Das hat man nicht so leicht gesehn.
So müßt ihr, ohn euch viel zu quälen,
Zuvörderst bitten, dann befehlen.
/ Raben ab. Es geschieht wie vorgeschrieben. /
MEPHISTOPHELES
Den Feinden dichte Finsternisse!
Und Tritt und Schritt ins Ungewisse!
Irrfunkenblick an allen Enden,
Ein Leuchten, plötzlich zu verblenden!
Das alles wäre wunderschön,
Nun aber braucht's noch Schreckgetön.
FAUST
Die hohlen Waffen aus der Säle Grüften
Empfinden sich erstarkt in freien Lüften;
Da droben klappert's, rasselt's lange schon,
Ein wunderbarer falscher Ton.
MEPHISTOPHELES
Ganz recht! Sie sind nicht mehr zu zügeln;
Schon schallt's von ritterlichen Prügeln,
Wie in der holden alten Zeit.
Armschienen wie der Beine Schienen,
Als Guelfen und als Ghibellinen,
Erneuen rasch den ewigen Streit.
Fest, im ererbten Sinne wöhnlich,
Erweisen sie sich unversöhnlich;
Schon klingt das Tosen weit und breit.
Zuletzt, bei allen Teufelsfesten,
Wirkt der Parteihaß doch zum besten,
Bis in den allerletzten Graus;
Schallt wider-widerwärtig panisch,
Mitunter grell und scharf satanisch,
Erschreckend in das Tal hinaus.
/ Kriegstumult im Orchester, zuletzt übergehend in militärisch heitre Weisen. /
DES GEGENKAISERS ZELT
/ Thron, reiche Umgebung. /
/ Habebald. Eilebeute. /
EILEBEUTE
So sind wir doch die ersten hier!
HABEBALD
Kein Rabe fliegt so schnell als wir.
EILEBEUTE
O! welch ein Schatz liegt hier zuhauf!
Wo fang ich an? Wo hör ich auf?
HABEBALD
Steht doch der ganze Raum so voll!
Weiß nicht, wozu ich greifen soll.
EILEBEUTE
Der Teppich wär mir eben recht,
Mein Lager ist oft gar zu schlecht.
HABEBALD
Hier hängt von Stahl ein Morgenstern,
Dergleichen hätt ich lange gern.
EILEBEUTE
Den roten Mantel goldgesäumt,
So etwas hatt' ich mir geträumt.
HABEBALD
/ die Waffe nehmend. /
Damit ist es gar bald getan,
Man schlägt ihn tot und geht voran.
Du hast so viel schon aufgepackt
Und doch nichts Rechtes eingesackt.
Den Plunder laß an seinem Ort,
Nehm eines dieser Kistchen fort!
Dies ist des Heers beschiedner Sold,
In seinem Bauche lauter Gold.
EILEBEUTE
Das hat ein mörderisch Gewicht!
Ich heb es nicht, ich trag es nicht.
HABEBALD
Geschwinde duck dich! Mußt dich bücken!
Ich hucke dir's auf den starken Rücken.
EILEBEUTE
Źródło tekstu: Wolne Lektury.