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Faust - Johann Wolfgang von Goethe - Strona 143

Niemand will euch mehr verstehen,
Fordern wir doch höhern Zoll:
Denn es muß von Herzen gehen,
Was auf Herzen wirken soll.

/ Sie zieht sich nach dem Felsen zurück. /
CHOR

Bist du, fürchterliches Wesen,
Diesem Schmeichelton geneigt,
Fühlen wir, als frisch genesen,
Uns zur Tränenlust erweicht.

Laß der Sonne Glanz verschwinden,
Wenn es in der Seele tagt,
Wir im eignen Herzen finden,
Was die ganze Welt versagt.

/ Helena, Faust, Euphorion in dem oben beschriebenen Kostüm. /
EUPHORION

Hört ihr Kindeslieder singen,
Gleich ist's euer eigner Scherz;
Seht ihr mich im Takte springen,
Hüpft euch elterlich das Herz.

HELENA

Liebe, menschlich zu beglücken,
Nähert sie ein edles Zwei,
Doch zu göttlichem Entzücken
Bildet sie ein köstlich Drei.

FAUST

Alles ist sodann gefunden:
Ich bin dein, und du bist mein;
Und so stehen wir verbunden,
Dürft es doch nicht anders sein!

CHOR

Wohlgefallen vieler Jahre
In des Knaben mildem Schein
Sammelt sich auf diesem Paare.
O, wie rührt mich der Verein!

EUPHORION

Nun laßt mich hüpfen,
Nun laßt mich springen!
Zu allen Lüften
Hinauf zu dringen,
Ist mir Begierde,
Sie faßt mich schon.

FAUST

Nur mäßig! mäßig!
Nicht ins Verwegne,
Daß Sturz und Unfall
Dir nicht begegne,
Zugrund uns richte
Der teure Sohn!

EUPHORION

Ich will nicht länger
Am Boden stocken;
Laßt meine Hände,
Laßt meine Locken,
Laßt meine Kleider!
Sie sind ja mein.

HELENA

O denk! o denke,
Wem du gehörest!
Wie es uns kränke,
Wie du zerstörest
Das schön errungene
Mein, Dein und Sein.

CHOR

Bald löst, ich fürchte,
Sich der Verein!

HELENA UND FAUST

Bändige! bändige
Eltern zuliebe
Überlebendige,
Heftige Triebe!
Ländlich im Stillen
Ziere den Plan.

EUPHORION

Nur euch zu Willen
Halt ich mich an.
Durch den Chor sich schlingend und ihn zum Tanz fortziehend.
Leichter umschweb ich hie
Muntres Geschlecht.
Ist nun die Melodie,
Ist die Bewegung recht?

HELENA

Ja, das ist wohlgetan;
Führe die Schönen an
Künstlichem Reihn.

FAUST

Wäre das doch vorbei!
Mich kann die Gaukelei
Gar nicht erfreun.

/ Euphorion und Chor tanzend und singend bewegen sich in verschlungenen Reihen. /
CHOR

Wenn du der Arme Paar
Lieblich bewegest,
Im Glanz dein lockig Haar
Schüttelnd erregest,
Wenn dir der Fuß so leicht
Über die Erde schleicht,
Dort und da wieder hin
Glieder um Glied sich ziehn,
Hast du dein Ziel erreicht,
Liebliches Kind;
All unsre Herzen sind
All dir geneigt.

/ Pause. /
EUPHORION

Ihr seid so viele
Leichtfüßige Rehe;
Zu neuem Spiele
Frisch aus der Nähe!
Ich bin der Jäger,
Ihr seid das Wild.

CHOR

Willst du uns fangen,
Sei nicht behende,
Denn wir verlangen
Doch nur am Ende,
Dich zu umarmen,
Du schönes Bild!

EUPHORION
Źródło tekstu: Wolne Lektury.

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