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Faust - Johann Wolfgang von Goethe - Strona 46

Ich war bestürzt, mir war das nie geschehn;
Es konnte niemand von mir Übels sagen.
Ach, dacht ich, hat er in deinem Betragen
Was Freches, Unanständiges gesehn?
Es schien ihn gleich nur anzuwandeln,
Mit dieser Dirne gradehin zu handeln.
Gesteh ich's doch! Ich wußte nicht, was sich
Zu Eurem Vorteil hier zu regen gleich begonnte;
Allein gewiß, ich war recht bös auf mich,
Daß ich auf Euch nicht böser werden konnte.

FAUST
Süß Liebchen!
MARGARETE
Laßt einmal!
/ Sie pflückt eine Sternblume und zupft die Blätter ab, eins nach dem andern. /
FAUST
Was soll das? Einen Strauß?
MARGARETE
Nein, es soll nur ein Spiel.
FAUST
Wie?
MARGARETE
Geht! Ihr lacht mich aus.
/ Sie rupft und murmelt. /
FAUST
Was murmelst du?
MARGARETE
/ halblaut. /
Er liebt mich — liebt mich nicht.
FAUST
Du holdes Himmelsangesicht!
MARGARETE
/ fährt fort. /

Liebt mich — nicht — liebt mich — nicht —
Das letzte Blatt ausrupfend, mit holder Freude.
Er liebt mich!

FAUST

Ja, mein Kind! Laß dieses Blumenwort
Dir Götterausspruch sein. Er liebt dich!
Verstehst du, was das heißt? Er liebt dich!

/ Er faßt ihre beiden Hände. /
MARGARETE
Mich überläuft's!
FAUST

O schaudre nicht! Laß diesen Blick,
Laß diesen Händedruck dir sagen
Was unaussprechlich ist:
Sich hinzugeben ganz und eine Wonne
Zu fühlen, die ewig sein muß!
Ewig! — Ihr Ende würde Verzweiflung sein
Nein, kein Ende! Kein Ende!

/ Margarete drückt ihm die Hände, macht sich los und läuft weg. Er steht einen Augenblick in Gedanken, dann folgt er ihr. /
MARTHE
/ kommend. /
Die Nacht bricht an.
MEPHISTOPHELES
Ja, und wir wollen fort.
MARTHE

Ich bät Euch, länger hier zu bleiben,
Allein es ist ein gar zu böser Ort.
Es ist, als hätte niemand nichts zu treiben
Und nichts zu schaffen,
Als auf des Nachbarn Schritt und Tritt zu gaffen,
Und man kommt ins Gered, wie man sich immer stellt.
Und unser Pärchen?

MEPHISTOPHELES

Ist den Gang dort aufgeflogen.
Mutwill'ge Sommervögel!

MARTHE
Er scheint ihr gewogen.
MEPHISTOPHELES
Und sie ihm auch. Das ist der Lauf der Welt.
EIN GARTENHÄUSCHEN
/ Margarete springt herein, steckt sich hinter die Tür, hält die Fingerspitze an die Lippen und guckt durch die Ritze. /
MARGARETE
Er kommt!
FAUST
/ kommt. /
Ach, Schelm, so neckst du mich! Treff ich dich!
/ Er küßt sie. /
MARGARETE
/ ihn fassend und den Kuß zurückgebend. /
Bester Mann! von Herzen lieb ich dich!
/ Mephistopheles klopft an. /
FAUST
/ stampfend. /
Wer da?
MEPHISTOPHELES
Gut Freund!
FAUST
Ein Tier!
MEPHISTOPHELES
Es ist wohl Zeit zu scheiden.
MARTHE
/ kommt. /
Ja, es ist spät, mein Herr.
FAUST
Darf ich Euch nicht geleiten?
MARGARETE
Die Mutter würde mich — Lebt wohl!
FAUST
Muß ich denn gehn? Lebt wohl!
MARTHE
Ade!
MARGARETE
Auf baldig Wiedersehn!
/ Faust und Mephistopheles ab. /
MARGARETE

Du lieber Gott! was so ein Mann
Nicht alles, alles denken kann!
Beschämt nur steh ich vor ihm da,
Und sag zu allen Sachen ja.
Bin doch ein arm unwissend Kind,
Begreife nicht, was er an mir find't.

/ Ab. /
WALD UND HÖHLE
/ Faust allein. /
Źródło tekstu: Wolne Lektury.

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