lektury on-line

Kategorie

Faust - Johann Wolfgang von Goethe - Strona 31

Heut sind wir ihn vorbeigereist!
Wir haben ihn das letztemal gesprochen.
Von seinen Vettern wußt er viel zu sagen,
Viel Grüße hat er uns an jeden aufgetragen.

/ Er neigt sich gegen Frosch. /
ALTMAYER
/ leise. /
Da hast du's! der versteht's!
SIEBEL
Ein pfiffiger Patron!
FROSCH
Nun, warte nur, ich krieg ihn schon!
MEPHISTOPHELES

Wenn ich nicht irrte, hörten wir
Geübte Stimmen Chorus singen?
Gewiß, Gesang muß trefflich hier
Von dieser Wölbung widerklingen!

FROSCH
Seid Ihr wohl gar ein Virtuos?
MEPHISTOPHELES
O nein! die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.
ALTMAYER
Gebt uns ein Lied!
MEPHISTOPHELES
Wenn ihr begehrt, die Menge.
SIEBEL
Nur auch ein nagelneues Stück!
MEPHISTOPHELES

Wir kommen erst aus Spanien zurück,
Dem schönen Land des Weins und der Gesänge.
Singt.
Es war einmal ein König,
Der hatt' einen großen Floh —

FROSCH

Horcht! Einen Floh! Habt ihr das wohl gefaßt?
Ein Floh ist mir ein saubrer Gast.

MEPHISTOPHELES
/ singt. /

Es war einmal ein König
Der hatt' einen großen Floh,
Den liebt' er gar nicht wenig,
Als wie seinen eignen Sohn.
Da rief er seinen Schneider,
Der Schneider kam heran:
Da, miß dem Junker Kleider
Und miß ihm Hosen an!

BRANDER

Vergeßt nur nicht, dem Schneider einzuschärfen,
Daß er mir aufs genauste mißt,
Und daß, so lieb sein Kopf ihm ist,
Die Hosen keine Falten werfen!

MEPHISTOPHELES

In Sammet und in Seide
War er nun angetan,
Hatte Bänder auf dem Kleide,
Hatt' auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister,
Und hatt' einen großen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch große Herrn.

Und Herrn und Fraun am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken,
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.

CHORUS
/ jauchzend. /

Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.

FROSCH
Bravo! Bravo! Das war schön!
SIEBEL
So soll es jedem Floh ergehn!
BRANDER
Spitzt die Finger und packt sie fein!
ALTMAYER
Es lebe die Freiheit! Es lebe der Wein!
MEPHISTOPHELES

Ich tränke gern ein Glas, die Freiheit hoch zu ehren,
Wenn eure Weine nur ein bißchen besser wären.

SIEBEL
Wir mögen das nicht wieder hören!
MEPHISTOPHELES

Ich fürchte nur, der Wirt beschweret sich;
Sonst gäb ich diesen werten Gästen
Aus unserm Keller was zum besten.

SIEBEL
Nur immer her! ich nehm's auf mich.
FROSCH

Schafft Ihr ein gutes Glas, so wollen wir Euch loben.
Nur gebt nicht gar zu kleine Proben;
Denn wenn ich judizieren soll,
Verlang ich auch das Maul recht voll.

ALTMAYER
/ leise. /
Sie sind vom Rheine, wie ich spüre.
MEPHISTOPHELES
Schafft einen Bohrer an!
BRANDER

Was soll mit dem geschehn?
Ihr habt doch nicht die Fässer vor der Türe?

ALTMAYER
Dahinten hat der Wirt ein Körbchen Werkzeug stehn.
MEPHISTOPHELES
/ nimmt den Bohrer. Zu Frosch. /
Nun sagt, was wünschet Ihr zu schmecken?
FROSCH
Wie meint Ihr das? Habt Ihr so mancherlei?
MEPHISTOPHELES
Ich stell es einem jeden frei.
ALTMAYER
/ zu Frosch. /
Aha! du fängst schon an, die Lippen abzulecken.
FROSCH
Źródło tekstu: Wolne Lektury.

Valid XHTML 1.0 Transitional

Realizacja serwisu: Virtualmedia