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Faust - Johann Wolfgang von Goethe - Strona 128

Wer seid denn ihr, daß ihr des Königes Hochpalast
Mänadisch wild, Betrunknen gleich, umtoben dürft?
Wer seid ihr denn, daß ihr des Hauses Schaffnerin
Entgegenheulet, wie dem Mond der Hunde Schar?
Wähnt ihr, verborgen sei mir, welch Geschlecht ihr seid,
Du kriegerzeugte, schlachterzogne junge Brut?
Mannlustige du, so wie verführt verführende,
Entnervend beide, Kriegers auch und Bürgers Kraft!
Zu Hauf euch sehend, scheint mir ein Zikadenschwarm
Herabzustürzen, deckend grüne Feldersaat.
Verzehrerinnen fremden Fleißes! Naschende
Vernichterinnen aufgekeimten Wohlstands ihr!
Erobert-marktverkauft-vertauschte Ware du!

HELENA

Wer gegenwarts der Frau die Dienerinnen schilt,
Der Gebietrin Hausrecht tastet er vermessen an;
Denn ihr gebührt allein, das Lobenswürdige
Zu rühmen, wie zu strafen, was verwerflich ist.
Auch bin des Dienstes ich wohl zufrieden, den sie mir
Geleistet, als die hohe Kraft von Ilios
Umlagert stand und fiel und lag; nicht weniger,
Als wir der Irrfahrt kummervolle Wechselnot
Ertrugen, wo sonst jeder sich der Nächste bleibt.
Auch hier erwart ich Gleiches von der muntern Schar;
Nicht, was der Knecht sei, fragt der Herr, nur, wie er dient.
Drum schweige du und grinse sie nicht länger an.
Hast du das Haus des Königs wohl verwahrt bisher
Anstatt der Hausfrau, solches dient zum Ruhme dir;
Doch jetzo kommt sie selber, tritt nun du zurück,
Damit nicht Strafe werde statt verdienten Lohns.

PHORKYAS

Den Hausgenossen drohen bleibt ein großes Recht,
Das gottbeglückten Herrschers hohe Gattin sich
Durch langer Jahre weise Leitung wohl verdient.
Da du, nun Anerkannte, neu den alten Platz
Der Königin und Hausfrau wiederum betrittst,
So fasse längst erschlaffte Zügel, herrsche nun,
Nimm in Besitz den Schatz und sämtlich uns dazu.
Vor allem aber schütze mich, die ältere,
Vor dieser Schar, die neben deiner Schönheit Schwan
Nur schlecht befitticht', schnatterhafte Gänse sind.

CHORFÜHRERIN
Wie häßlich neben Schönheit zeigt sich Häßlichkeit.
PHORKYAS
Wie unverständig neben Klugheit Unverstand.
/ Von hier an erwidern die Choretiden, einzeln aus dem Chor heraustretend. /
CHORETIDE 1
Von Vater Erebus melde, melde von Mutter Nacht.
PHORKYAS
So sprich von Scylla, leiblich dir Geschwisterkind.
CHORETIDE 2
An deinem Stammbaum steigt manch Ungeheur empor.
PHORKYAS
Zum Orkus hin! da suche deine Sippschaft auf.
CHORETIDE 3
Die dorten wohnen, sind dir alle viel zu jung.
PHORKYAS
Tiresias, den Alten, gehe buhlend an.
CHORETIDE 4
Orions Amme war dir Ur-Urenkelin.
PHORKYAS
Harpyen, wähn ich, fütterten dich im Unflat auf.
CHORETIDE 5
Mit was ernährst du so gepflegte Magerkeit?
PHORKYAS
Mit Blute nicht, wonach du allzu lüstern bist.
CHORETIDE 6
Begierig du auf Leichen, ekle Leiche selbst!
PHORKYAS
Vampyren-Zähne glänzen dir im frechen Maul.
CHORFÜHRERIN
Das deine stopf ich, wenn ich sage, wer du seist.
PHORKYAS
So nenne dich zuerst; das Rätsel hebt sich auf.
HELENA
Źródło tekstu: Wolne Lektury.

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