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Faust - Johann Wolfgang von Goethe - Strona 32

Gut! wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben.
Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben.

MEPHISTOPHELES
/ indem er an dem Platz, wo Frosch sitzt, ein Loch in den Tischrand bohrt. /
Verschafft ein wenig Wachs, die Pfropfen gleich zu machen!
ALTMAYER
Ach, das sind Taschenspielersachen.
MEPHISTOPHELES
/ zu Brander. /
Und Ihr?
BRANDER

Ich will Champagner Wein,
Und recht moussierend soll er sein!

/ Mephistopheles bohrt; einer hat indessen die Wachspfropfen gemacht und verstopft. /
BRANDER

Man kann nicht stets das Fremde meiden,
Das Gute liegt uns oft so fern.
Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden,
Doch ihre Weine trinkt er gern.

SIEBEL
/ indem sich Mephistopheles seinem Platze nähert. /

Ich muß gestehn, den sauern mag ich nicht,
Gebt mir ein Glas vom echten süßen!

MEPHISTOPHELES
/ bohrt. /
Euch soll sogleich Tokayer fließen.
ALTMAYER

Nein, Herren, seht mir ins Gesicht!
Ich seh es ein, ihr habt uns nur zum besten.

MEPHISTOPHELES

Ei! Ei! Mit solchen edlen Gästen
Wär es ein bißchen viel gewagt.
Geschwind! Nur grad heraus gesagt!
Mit welchem Weine kann ich dienen?

ALTMAYER
Mit jedem! Nur nicht lang gefragt.
/ Nachdem die Löcher alle gebohrt und verstopft sind. /
MEPHISTOPHELES
/ mit seltsamen Gebärden. /

Trauben trägt der Weinstock!
Hörner der Ziegenbock;
Der Wein ist saftig, Holz die Reben,
Der hölzerne Tisch kann Wein auch geben.
Ein tiefer Blick in die Natur!
Hier ist ein Wunder, glaubet nur!
Nun zieht die Pfropfen und genießt!

ALLE
/ indem sie die Pfropfen ziehen und jedem der verlangte Wein ins Glas läuft. /
O schöner Brunnen, der uns fließt!
MEPHISTOPHELES
Nur hütet euch, daß ihr mir nichts vergießt!
/ Sie trinken wiederholt. /
ALLE
/ singen. /

Uns ist ganz kannibalisch wohl,
Als wie fünfhundert Säuen!

MEPHISTOPHELES
Das Volk ist frei, seht an, wie wohl's ihm geht!
FAUST
Ich hätte Lust, nun abzufahren.
MEPHISTOPHELES

Gib nur erst acht, die Bestialität
Wird sich gar herrlich offenbaren.

SIEBEL
/ trinkt unvorsichtig, der Wein fließt auf die Erde und wird zur Flamme. /
Helft! Feuer! helft! Die Hölle brennt!
MEPHISTOPHELES
/ die Flamme besprechend. /

Sei ruhig, freundlich Element!
Zu den Gesellen.
Für diesmal war es nur ein Tropfen Fegefeuer.

SIEBEL

Was soll das sein? Wart! Ihr bezahlt es teuer!
Es scheinet, daß Ihr uns nicht kennt.

FROSCH
Laß Er uns das zum zweiten Male bleiben!
ALTMAYER
Ich dächt, wir hießen ihn ganz sachte seitwärts gehn.
SIEBEL

Was, Herr? Er will sich unterstehn,
Und hier sein Hokuspokus treiben?

MEPHISTOPHELES
Still, altes Weinfaß!
SIEBEL
Besenstiel! Du willst uns gar noch grob begegnen?
BRANDER
Wart nur, es sollen Schläge regnen!
ALTMAYER
/ zieht einen Pfropf aus dem Tisch, es springt ihm Feuer entgegen. /
Ich brenne! ich brenne!
SIEBEL

Zauberei!
Stoßt zu! der Kerl ist vogelfrei!

/ Sie ziehen die Messer und gehn auf Mephistopheles los. /
MEPHISTOPHELES
/ mit ernsthafter Gebärde. /

Falsch Gebild und Wort
Verändern Sinn und Ort!
Seid hier und dort!

/ Sie stehn erstaunt und sehn einander an. /
ALTMAYER
Wo bin ich? Welches schöne Land!
FROSCH
Weinberge! Seh ich recht?
SIEBEL
Źródło tekstu: Wolne Lektury.

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