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Faust - Johann Wolfgang von Goethe - Strona 88

Das hohe Wohl verdankt euch unser Reich;
Wo möglich sei der Lohn dem Dienste gleich.
Vertraut sei euch des Reiches innrer Boden,
Ihr seid der Schätze würdigste Kustoden.
Ihr kennt den weiten, wohlverwahrten Hort,
Und wenn man gräbt, so sei's auf euer Wort.
Vereint euch nun, ihr Meister unsres Schatzes,
Erfüllt mit Lust die Würden eures Platzes,
Wo mit der obern sich die Unterwelt,
In Einigkeit beglückt, zusammenstellt.

SCHATZMEISTER

Soll zwischen uns kein fernster Zwist sich regen,
Ich liebe mir den Zaubrer zum Kollegen.

/ Ab mit Faust. /
KAISER

Beschenk ich nun bei Hofe Mann für Mann,
Gesteh er mir, wozu er's brauchen kann.

PAGE
/ empfangend. /
Ich lebe lustig, heiter, guter Dinge.
EIN ANDRER
/ gleichfalls. /
Ich schaffe gleich dem Liebchen Kett' und Ringe.
KÄMMERER
/ annehmend. /
Von nun an trink ich doppelt bessre Flasche.
EIN ANDRER
/ gleichfalls. /
Die Würfel jucken mich schon in der Tasche.
BANNERHERR
/ mit Bedacht. /
Mein Schloß und Feld, ich mach es schuldenfrei.
EIN ANDRER
/ gleichfalls. /
Es ist ein Schatz, den leg ich Schätzen bei.
KAISER

Ich hoffte Lust und Mut zu neuen Taten;
Doch wer euch kennt, der wird euch leicht erraten.
Ich merk es wohl: bei aller Schätze Flor,
Wie ihr gewesen, bleibt ihr nach wie vor.

NARR
/ herbeikommend. /
Ihr spendet Gnaden, gönnt auch mir davon!
KAISER
Und lebst du wieder, du vertrinkst sie schon.
NARR
Die Zauberblätter! ich versteh's nicht recht.
KAISER
Das glaub ich wohl, denn du gebrauchst sie schlecht.
NARR
Da fallen andere; weiß nicht, was ich tu.
KAISER
Nimm sie nur hin, sie fielen dir ja zu.
/ Ab. /
NARR
Fünftausend Kronen wären mir zu Handen!
MEPHISTOPHELES
Zweibeiniger Schlauch, bist wieder auferstanden?
NARR
Geschieht mir oft, doch nicht so gut als jetzt.
MEPHISTOPHELES
Du freust dich so, daß dich's in Schweiß versetzt.
NARR
Da seht nur her, ist das wohl Geldes wert?
MEPHISTOPHELES
Du hast dafür, was Schlund und Bauch begehrt.
NARR
Und kaufen kann ich Acker, Haus und Vieh?
MEPHISTOPHELES
Versteht sich! Biete nur, das fehlt dir nie.
NARR
Und Schloß, mit Wald und Jagd und Fischbach?
MEPHISTOPHELES

Traun!
Ich möchte dich gestrengen Herrn wohl schaun!

NARR
Heut abend wieg ich mich im Grundbesitz! —
/ Ab. /
MEPHISTOPHELES
/ solus. /
Wer zweifelt noch an unsres Narren Witz!
FINSTERE GALERIE
/ Faust. Mephistopheles. /
MEPHISTOPHELES

Was ziehst du mich in diese düstern Gänge?
Ist nicht da drinnen Lust genug,
Im dichten, bunten Hofgedränge
Gelegenheit zu Spaß und Trug?

FAUST

Sag mir das nicht, du hast's in alten Tagen
Längst an den Sohlen abgetragen;
Doch jetzt dein Hin– und Widergehn
Ist nur, um mir nicht Wort zu stehn.
Ich aber bin gequält zu tun:
Der Marschalk und der Kämmrer treibt mich nun.
Der Kaiser will, es muß sogleich geschehn,
Will Helena und Paris vor sich sehn;
Das Musterbild der Männer so der Frauen
In deutlichen Gestalten will er schauen.
Geschwind ans Werk! ich darf mein Wort nicht brechen.

MEPHISTOPHELES
Unsinnig war's, leichtsinnig zu versprechen.
FAUST
Źródło tekstu: Wolne Lektury.

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